Warum No-Name-Luftfedermodule aus dem Internet ein Sicherheitsrisiko darstellen

Wir haben den Test gemacht

Wer im Internet nach neuen Luftfedermodulen sucht, wird schnell fündig. Online-Verkaufsplattformen, auf denen KFZ-Ersatzteile gehandelt werden, gibt es schließlich zuhauf. Auf einem dieser zahlreichen Portale werden Luftfedermodule etwa für die Marke Mercedes-Benz schon für umgerechnet rund 235 € angeboten. Für – wie angegeben – „brandneue“ Produkte ein erstaunlich günstiger Preis. Ein Preis, bei dem sofort alle Alarmglocken angehen sollten. Wir wollten wissen, was hinter den vermeintlichen Neuteilen steckt und haben den Test gemacht.

Dazu haben wir zunächst ein als „neu“ deklariertes Luftfedermodul auf einer dieser Online-Verkaufsplattformen bestellt. Womit die Verkäufer wohl am allerwenigsten gerechnet hatten: Das Billig-Luftfedermodul wurde nicht etwa blind in ein Auto eingebaut, sondern musste bei uns in Ennepetal einen Härtetest nach dem anderen über sich ergehen lassen.

Der erste Unterschied, der zwischen dem Wettbewerbsprodukt und unseren fabrikneuen BILSTEIN B4 Luftfedermodulen auffällt: Unsere Produkte werden stets zusammen mit wichtigen Informationen geliefert. Dazu gehören genaue Infos zum Produkt und zum Hersteller, sowie wichtige Qualitäts-, Einbau- und Sicherheitshinweise. Die minderwertige Verpackung des Wettbewerbers lässt all das vermissen. Und während unseren Produkten stets eine umfangreiche Montageanleitung beigelegt ist, verzichtete unser Wettbewerber komplett auf eine Einbauanleitung.

Neben weiteren qualitativen Unterschieden weist auch die elektronische Anbindung eklatante Unterschiede auf: Beim Luftfedermodul aus dem Internet fällt uns direkt ein alter Stecker mit älterem Produktionsdatum und Schmutzeinschlüssen auf. Zudem weist die Madenschraube des Wettbewerbsprodukts Gebrauchsspuren auf. Außerdem ist der Konusbereich lackiert, was zu einem Sicherheitsverlust führen kann. Es beschleicht uns ein erster Verdacht: Ist das vermeintliche Neuteil gar kein Neuteil, sondern nur ein überarbeitetes Altteil?

Bei unserem ersten Test wird die Gesamtfederkennlinie des Luftfederbeins gemessen: Beim Belastungstest auf der Kraft-Weg-Prüfmaschine kommt es zu großen Abweichungen der Federlängen. Außerdem ziehen sich die Falten der Schutzmanschette unregelmäßig zusammen und sogar nach innen. BILSTEIN-Werkstattleiter Marco Kunert: „Das kann zur Folge haben, dass die Schutzmanschette an den Luftfederbalg kommt, hier scheuert und diesen dann zerstört.“ Bei unserem BILSTEIN B4 Luftfedermodul hingegen faltet sich die Schutzmanschette regelmäßig zusammen.

Noch eindrucksvoller werden die Unterschiede der beiden Produkte auf dem Akustikprüfstand aufgedeckt. Die Messung zeigt, dass das Konkurrenzprodukt eindeutig lauter ist als das BILSTEIN B4 Luftfedermodul. Gründe dafür sind eine hohe Reibung durch eine nicht original verbaute Dichtung und ein Ölverlust. Das Ergebnis des Tests lässt nur einen Schluss zu: Das im Internet bestellte Luftfedermodul – wir erinnern uns: offiziell als Neuteil verkauft – dämpft Schwingungen kaum und scheint bereits stark verschlissen.

Die Beobachtungen decken sich mit den Ergebnissen des letzten Tests. Die dynamischen Kennlinienmessungen auf der Kraft-Weg-Maschine offenbaren einen hohen Dämpfkraftverlust: Das erworbene Wettbewerbsprodukt verfügt teilweise nur noch über 29 Prozent der benötigten Dämpfkraft. Ganz klar: Damit ist das No-Name-Luftfedermodul schlicht fahruntauglich und somit gefährlich.

Nach den erfolgten Tests demontieren wir das Luftfedermodul. Die Begutachtung fördert auch hier Erschreckendes zu Tage. So handelt es sich zum Beispiel bei dem verbauten Schubgummilager um ein Original-, aber Altteil mit einem umlaufenden Riss. Gegen Licht betrachtet, erkennen wir auch eine Einbuchtung im Rohr, die auf einen Unfall schließen lässt. Zudem können wir feststellen, dass ein neues Verschlusspaket verbaut wurde – allerdings vollkommen unfachmännisch: Dem Dämpfer fehlen dadurch ca. 10 Millimeter Gesamtlänge.

Marco Kunerts Zusammenfassung fällt deutlich aus: „Wie wir gesehen haben, hat der Dämpfer keine Dämpfkraft mehr. Viele der weiteren Anbauteile sind Altteile oder schlecht gemachte Nachbauten. Deshalb sind diese Teile ein erhebliches Sicherheitsrisiko.“

Mit viel detektivischer Kleinarbeit konnten wir letzlich herausfinden, dass es sich bei dem Produkt des Wettbewerbers tatsächlich um einen alten Dämpfer von BILSTEIN handelt, der 2005 bei uns in Mandern gefertigt wurde. Soviel zum Thema Neuteil…